Spekulatives und kritisches Design nutzt entworfene Szenarien, Objekte und Erzählungen, um dominante Vorstellungen von Zukunft zu irritieren. Dieser Ansatz – stark beeinflusst durch die Arbeiten von Anthony Dunne und Fiona Raby – versteht Gestaltung nicht primär als Problemlösung, sondern als Mittel, um Fragen zu öffnen. Spekulative Artefakte zeigen mögliche, unwahrscheinliche oder unbequeme Zukünfte. Sie dienen als Denkwerkzeuge, die Routinen herausfordern und gesellschaftliche Vorannahmen sichtbar machen.
Kritisches Design richtet sich gegen die Selbstverständlichkeit technischer Entwicklungen. Es verweist auf die politischen, sozialen und ethischen Dimensionen, die oft hinter funktionalen Innovationserzählungen verschwinden. Anstatt die Zukunft als naheliegende Fortschreibung der Gegenwart zu behandeln, schafft spekulative Gestaltung Räume für Irritation, Ambivalenz und Unbestimmtheit. Die Frage lautet nicht: Was kommt? Sondern: Was könnte sein – und was sagt das über unsere Gegenwart aus?
Imagine Utopia knüpft an diese Tradition an, verschiebt jedoch den Fokus. Das Projekt nutzt spekulative Verfahren nicht allein als ästhetische Kritik, sondern als Ausgangspunkt für Lern- und Gestaltungsprozesse. Teilnehmende werden eingeladen, in entfaltete Szenarien einzutreten, eigene Zukunftsbilder zu entwickeln und die dahinterliegenden Wertvorstellungen zu reflektieren. Die spekulative Praxis wird damit dialogisch und partizipativ.
Durch Workshops, Zukunftssequenzen und KI-generierte Visualisierungen entstehen Szenarien, die weder reine Utopien noch reine Dystopien sind. Sie bilden Zwischenräume, in denen Menschen persönliche Fragen verhandeln können: Welche Zukunft wünsche ich mir? Welche lehne ich ab? Welche Strukturen müssten sich ändern, damit bestimmte Bilder möglich werden? Spekulatives Design wird so zu einem Werkzeug, das Reflexion und Selbstwirksamkeit verbindet.
In Imagine Utopia entsteht dadurch eine Erweiterung des klassischen spekulativen Ansatzes: Die Szenarien bleiben irritierend, aber sie sind zugleich eingebettet in pädagogische, soziale und partizipative Ziele. Sie öffnen Fragen und führen gleichzeitig in konkrete Prozesse der Zukunftsgestaltung. Spekulation wird zu einem aktiven Teil von Bildung, Transformation und kollektiver Imagination.