Waldritter e. V. arbeitet seit vielen Jahren mit spielerischen Formaten, insbesondere LARP, um gesellschaftliche Themen erfahrbar zu machen. Diese Ansätze erzeugen Lernräume, die nicht auf Belehrung basieren, sondern auf Erfahrung, Rollenübernahme und situierter Aushandlung. Teilnehmende begegnen politischen, sozialen oder ethischen Fragen in Form von Situationen, Konflikten und Narrativen, die sie aktiv mitgestalten können.
Non-formale politische Bildung verfolgt das Ziel, demokratische Kompetenzen in alltagsnahen, freiwilligen und offenen Settings zu stärken. Sie spricht Zielgruppen an, die klassische Seminare oder schulische Formate oft nicht erreichen. Im Mittelpunkt stehen Erleben, Reflexion und Aushandlung: Politische Fragen werden nicht abstrakt behandelt, sondern als Teil persönlicher Erfahrungen. Diese Form der Bildung schafft Räume, in denen Menschen ausprobieren, scheitern, widersprechen und miteinander lernen können.
Die Masterarbeit knüpft an diese Tradition an. Utopische Szenarien, Rollen und erzählerische Settings dienen als niedrigschwelliger Einstieg in komplexe Themen wie Zukunft, Gerechtigkeit und Teilhabe. Durch die Verbindung von Imagination und Reflexion entsteht ein Raum, der sowohl persönlich als auch politisch ist: Die Teilnehmenden entwickeln Zukunftsbilder, die individuelle Wünsche mit gesellschaftlichen Fragen verknüpfen.
Imagine Utopia bildet dabei eine Brücke zwischen HCI-Forschung und politischer Bildung. Die Gestaltungsmethoden aus der Human-Computer-Interaction – User-Empowerment, partizipative Verfahren, verantwortliches UX-Design und KI-gestützte Ko-Kreation – verbinden sich mit den pädagogischen Zielen der Waldritter. Das Ergebnis ist ein hybrider Lernraum: Er ist spielerisch, kritisch, technologieunterstützt und zugleich tief in non-formalen Bildungspraktiken verankert.
Diese Verbindung eröffnet neue Möglichkeiten: Digitale Werkzeuge unterstützen imaginative Prozesse, ohne die körperliche, soziale und narrative Dimension des Spiels zu verdrängen. Zukunft wird nicht nur gedacht, sondern erlebt. Die Kombination aus spekulativen Szenarien, partizipativem Design und politischer Bildung fördert eine Form der Zukunftskompetenz, die sowohl individuelle Perspektiven stärkt als auch gesellschaftliche Aushandlungen anregt.